28. Dezember 2012

Das eigene freie Selbst entwickeln

Lange haben wir hier nichts mehr geschrieben. Das wollen wir ändern und wieder etwas regelmäßiger schreiben über Entwicklungen des Projektes und vor allem Anregungen und Interessantes zu dem Thema "Berufsfindung".

-------------------------

Auf zwei spannende Aussagen bin ich heute gestoßen. Sie treffen für mich, jede auf ihre Weise, den Kern dessen, was mein Anliegen ist. Ich habe das Gefühl, das hat damit zu tun, weshalb ich hier angetreten bin - weshalb wir alle hier angetreten sind.
Und für mich ist das auch der Bogen zur "Berufsfindung" - für mich geht es bei "Berufsfindung" genau um den Punkt, der angesprochen wird, und der für mich sehr deutlich bei der Berufssuche und -entscheidung zutage tritt (oder eben gerade nicht).


Ian McKellen (britischer, homosexueller Schauspieler, im Film "Herr der Ringe" und jetzt "Der Hobbit" spielt er den Zauberer "Gandalf"):

"Wenn man mich fragt, ob man es sich als junger schwuler Schauspieler leisten kann, sein Coming-out zu haben sage ich: Vergiss die Schauspielerei! Als Mensch schuldest du dir dein Coming-out. Nur wenn du mit dir selbst im Reinen bist, kannst du dich den Herausforderungen des Lebens stellen. Und wenn andere Leute damit nicht klarkommen - vergiss sie! Wenn du ein homosexueller Mann oder eine homosexuelle Frau bist und die Leute das nicht akzeptieren, dann willst du auch nicht mit diesen Leuten zusammenarbeiten. Egal wer sie sind, ob es sich nun um die wichtigsten Leute Hollywoods oder die britischen Gesellschaft handelt."
Aus einem Interview in dem Magazin "Interview", Ausgabe Dezember 2012


Arno Gruen (89 Jahre alt, Psychologe):

"Unsere Kultur macht es Menschen sehr schwer, ein eigenes freies Selbst zu entwickeln, weil sie das innere Erleben abwertet und Äußerlichkeiten, wie Besitz und Status, zum Maßstab des persönlichen Selbstwerts erhebt.[...]
Wir lernen schon früh, nicht selbst zu denken, sondern nach Regeln zu suchen, die uns zu dem führen, was wir zu finden hoffen. Tragisch ist dabei, dass wir uns, ohne ein Bewusstsein davon zu haben, auf vorprogrammierte Denkschemata verlassen, die eigene Denkprozesse verhindern. In unserer Zeit werden wir häufig dazu aufgefordert, kreativ zu sein. Die unausgesprochene Vorschrift, die wir verinnerlicht haben, weist uns jedoch an, dem Eigenen und Originären, das aus uns selbst spricht, nicht zu trauen. So bleibt uns das Eigene fremd.
Wir brauchen deshalb den Dialog mit Menschen, die Güte, Aufrichtigkeit und Uneigennützigkeit besitzen und offen dafür sind, das Eigene zu erkennen und zu fördern. Es müssen Menschen sein, deren Werte sich nicht an Macht, Erfolg und Geld orientieren und die deshalb zu einer Geisteshaltung fähig sind, die einen inneren Frieden herbeiführt. Es sind Menschen, die keine Angst vor dem Anderssein haben und frei sind von Anpassungsdrang. Nur so lässt sich zum Eigenen finden, das auf Mitgefühl basiert. Nur so wird man das eigene Selbst entdecken und nicht mehr nach Dogmen suchen, um sich selbst zu definieren.[...]
Viele von uns haben noch Träume, die mit unserer Sehnsucht nach menschlicher Verbundenheit zu tun haben. Diese Träume, die tief aus unserem Inneren kommen, können uns eine Hilfe sein, denn sie tragen dazu bei, die Wahrheit zu erkennen, und stärken den Mut, unser Mitgefühl zum Maßstab unseres Handelns zu machen. Denn darum geht es: an dem Glauben an das Gute im Menschen festzuhalten.[...]
Es bleibt uns keine andere Wahl, als uns auf unser Herz und Mitgefühl zu besinnen. Nur so werden wir die Urängste, die uns zu zerstören drohen, bändigen."

Aus seinem Buch "Ich will eine Welt ohne Kriege". Einen etwas längeren Auszug (dem ich die Zitate oben entnommen haben) gibt es hier: 

>>> http://www.oya-online.de/article/read/839-eine_welt_ohne_kriege.html

Zwei Fragmente sind mir beim lesen gekommen:
Ich muss es einfach tun - ungeachtet der äußeren Konsequenzen.
Die größte Herausforderung und Fähigkeit ist, an das Gute im Menschen zu glauben.

Joshua

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen